Mit der Ural durch Schottland...Tag 10-11

Am späten Vormittag, wieder das gleiche Ritual, Zelte und den ganzen andern Kram einpacken und nichts wie los. Am Vorabend habe ich mit meinem Freund noch schnell eine  neue Route ausgearbeitet, die uns durch den Cairngorms National Park führen sollte. Ich war schon ganz aufgeregt, denn ich hatte den Vorschlag gemacht, uns doch Balmoral Castle anzusehen, den Sitz der Royals. Endlich mal ein Castle und es gab keinen Weg dran vorbei...:-). Also fuhren wir auf der B9119 bis Cambus o' May, um dann auf die A93 abzubiegen. Mal so nebenbei, wenn ihr diese Schilder hier seht, dann seid ein bisschen wachsamer, gerade in den Cairngorms...das ist kein Schwerz. Dieses hier ist aus dem Park von Balmoral, aber die haben wir echt oft gesehen und ich muss gestehen bei dem einen oder anderen mal hätte es fast einer dieser wirklich süßen Nager erwischt, denn die düsen dort überall rum und bleiben manchmal auch einfach auf der Straße sitzen...also Achtung. Also wir kamen so kurz vor Mittag in Balmoral an und machten dann einen kleinen Spaziergang...ja wir sind gelaufen. Ich glaube die hätten auch was dagegen gehabt, wenn wir mit unseren Gespannen direkt vors Portal gefahren wären...auch wenn so mancher das gewollt hätte. Es war echt nett, denn die Bäume dort sind der Knaller...ich gebe es zu, ich liebe es Bäume zu umarmen, denn es gibt nichts schöneres, als einen Baum zu riechen, seine Rinde zu fühlen...ein bisschen Spinnert vielleicht, aber ich mag es. Mein Umarmungsopfer war eine asiatische Kiefer, die wundervoll duftete...und weglaufen konnte sie auch nicht;-) Balmoral ist, nun ja was soll ich sagen, schön. Man kann sich eine Menge ansehen, also den echt unglaublichen Garten und die darin Befindlichen Gebäude, doch im Castle selber gibt es nicht wirklich viel zu sehen. Mir hatten es die Gewächshäuser mit den exotischen Pflanzen angetan und eine Libelle, die wohl noch ein bisschen schwach auf der Brust war. Ich habe sie ein bisschen durch die Gegend getragen, bis sie irgendwann davon düste. Das Café dort ist ganz nett und sie haben dort auch leckeren Kuchen, den üblichen Touristenkram bekommt man dort natürlich auch...ich gebe zu, einen Anstecknadel und Pfefferminzbonbons habe ich mir dann auch gegönnt. Dann ging es auch schon weiter, vorbei an Braemar Castle, dass ich mir bei der nächsten Reise unbedingt ansehen möchte. Wir schraubten uns einen Berg hinauf und konnten unseren Augen kaum trauen, als wir oben ankamen. Wir waren mitten im Glenshee, dem Skigebiet in Schottland und ließen uns es nicht nehmen, dort auf den Parkplatz ein paar Bilder zu machen...hier möchte ich auch noch einmal die völlig durchgeknallten beinharten Radfahrer erwähnen, die diesen Berg mit dem Fahrrad raufkeuchten...Hut ab, ich finde zwar ihr habt einen Knall, aber den pflegt ihr;-). Die Cairngorms sind Atemberaubend schön, auch bei nicht so schönem Wetter, ich hätte mich nicht gewundert, wenn dort auch mal ein paar Kilt tragende Krieger durch die Gegend gerannt wären...echt nett. Bei der Bridge of Cally ging es dann auf die A924, hier und da ein nettes kleines Städtchen. Felder und jede Menge Natur. Da uns mittlerweile ganz schön der Magen knurrte, beschlossen wir in Pitlochry noch eine kleine Pause zu machen. Nachdem wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten, machten wir uns dann auf die Suche nach einem Restaurant...doch erst einmal machten wir eine Tour durch die Outdoor-Läden...und fanden natürlich auch so einiges. Da wir nichts passendes fanden, landeten wir schließlich im Drummond's. Also ich muss echt sagen, der Laden hat mich umgehauen, denn von außen war er eher schmuddelig...und wir saßen draußen, da ja mal endlich die Sonne schien. Als dann aber das Essen kam...war ich von den Socken, es war köstlich, obwohl der Koch aussah, als wäre er einem schlechten Film entsprungen. Genaueres will ich euch ersparen, aber das ist egal, denn die Fish & Chips waren super. So gestärkt ging es dann auch gleich zum nächsten Campingplatz. Auf Wunsch hatte ich einen ganz in der Nähe rausgesucht, mit Waschmaschinen und so einem Kram...gruselig. Als wir jedoch dort ankamen, beschlossen wir spontan uns doch etwas anderes zu suchen. Denn dieser Platz war riesig, völlig überfüllt und außerdem noch teuer. Also schnell mein schlaues Büchlein gezückt und eine neue Übernachtungsmöglichkeit gesucht...was nicht immer so leicht war. Da wir keine große Lust mehr hatten zu suchen, entschlossen wir uns dann für den Loch Tummel Caravan Park-Ardgualich Farm...öhm ja. Die Fahrt dorthin führte uns kurz über die A9 und das war echt gruselig, denn ich hatte so eine Nobelkarosse hinter mir, dessen Fahrer meinte ich würde plötzlich 180 fahren können, wenn er mich nur lange genug Blenden und mit der Lichthupe nerven würde...schrecklich, Idiot. Aber dann ging es wieder auf eine gemütliche Straße, die B8019 auf der wir dann schließlich zum Loch Tummel kamen. Wunderschöne Gegend, doch der Caravan Park war echt voll schräg. Dreckig, und auch kaum noch Platz, aber es war schon spät und ich ein wenig angefressen, wegen der ständigen Nörgelei...das passte nicht, keine Waschmaschinen, keinen Supermarkt in der Nähe...blablabla. Also blieben wir dort, mir war es echt egal, denn es hätte schlimmer kommen können...in Form eines Campingplatzes mit lauter grölenden Fußballfans samt Kind und Kegel:-). Die Zelte waren schnell aufgebaut und der erste Schock über die Sanitären Anlagen und das braune Wasser waren schnell vergessen, denn dafür war der See und der Ausblick einfach zu schön. Der anschließende Sonnenuntergang war dann auch so schön, das meine Wut auch schnell wieder verflog...hätte eh nichts gebracht. Das Highlight jedoch war der Sternenhimmel...spät in der Nacht musste ich noch einmal raus und da hab ich mich erst mal für eine halbe Stunde auf den Rasen gesetzt und mir die Milchstraße angeschaut...wunderschön...Gänsehaut pur.

Nun, Loch Tummel war mit Abstand der gruseligste Campingplatz...aber die Gegend ist sooo schön. Nach einem kurzen Frühstück...außnahmsweise mal wirklich früh, ging es dann weiter. Unsere Reise neigte sich so ganz langsam dem Ende zu und ich war schon ein bisschen geknickt, das wir nicht wirklich was vom Land gesehen haben...doch die Tour die uns noch bevorstand versöhnte mich schon ein wenig. Die Sonne schien und so freuten wir uns schon auf eine nette Tour durch die Berge. Wir fuhren die Strecke zurück, auf der wir gekommen waren und landeten wieder auf der A9, doch diese verließen wir dann kurz vor Pitlochry wieder um auf eine Landstraße abzubiegen um auf die andere Seite des Loch Tummel zu kommen. Das war eine wirklich schöne Fahrt, durch die Wälder und dann schließlich am Flußufer entlang. Vorbei am Lick Estate, wenn man viel Geld über hat ist das bestimmt auch ganz nett. Dann ging es wieder auf die B846 Richtung Keltneyburn, wo wir dann abbogen um in Fortingall dann noch einmal eine kleine Pause zu machen. Wunderschöne Strecke, wir fuhren an so vielen schönen netten Häuschen vorbei, völlig urige Bäume und Fasane ohne Ende...Am Fortingall Hotel tranken wir dann noch einen leckeren Kaffee und ich sah mir den ältesten Baum in Schottland an. Dem Fortingall Yew Tree, wer dort einmal Rast macht, der sollte auf den Weg zu dem Baum achten, dort steht ein sehr schöner Spruch und man bekommt spontan eine Gänsehaut, wenn man am Ende angekommen ist. Nach dieser Stärkung ging es dann weiter durch die Täler, entlang am River Lyon. 

Wir passierten Glenlyon, Woodend,  Balintrye, Invervar, Camusvrachan, Innerwick, Moar und Kenknoch um dann ganz am Ende des Tales am Stronuich Reservoir zu gelangen. Um es mal so zu sagen, wir hatten uns ein klein wenig verfahren, doch das war nicht so schlimm, denn wir hatten schon vorher einen Weg gesehen der den Berg hinauf führte. Dummerweise war dieser Weg auf keiner meiner Karten eingezeichnet und auch das Navi fand diese Straße nicht. Aber wir konnten ja auch wieder zurück fahren, wenn der Weg so überhaupt nicht weitergehen würde.Also fuhren wir kurz bis vors Vannoch Cottage um dann eine mehr oder weniger schon lange nicht mehr benutze Straße den Berg rauf zu düsen...ich kann euch sagen, ich hatte ganz schön Muffensausen, denn die Strecke hatte es wirklich in sich. Die Straße wurde wohl schon lange nicht mehr gepflegt, denn ein Schlagloch folgte dem anderen und das erste Stück war Hölle steil. Aber es war so genial, denn oben angekommen mussten wir nicht nur den Schlaglöchern ausweichen, sondern auch den ganzen Schafen, die dort plötzlich zu Hauf rumstiefelten. Die Bergkette gehörte zum Ben Lawers, das wußte ich da aber noch nicht. Auf halben Weg sahen wir dann noch einen uralten Volvo an einem Aussichtspunkt stehen, wo zwei ältere Damen genüsslich ihren Tee schlürften und uns freundlich winkten. Dann kamen wir auf der anderen Seite des Berges an und uns wurde der Weg von einem Gittertor versperrt. Die Aussicht war unglaublich, doch außer dieser Aussicht war nicht viel von Zivilisation zu sehen. Der Weg schien den Berg hinunter zu führen, doch richtig sehen konnte man das nicht von dort oben aus. Also dachten wir uns, die alten Damen sind bestimmt nicht den Weg gefahren, den wir genommen hatten, also mußten sie ja irgendwie auf den Berg gekommen sein. Auf dem Schild stand lediglich, das man es stets geschlossen halten sollte, wegen den Schafen. Davon, das man dort nicht entlang fahren durfte stand da nichts. Also schraubten wir uns eine Serpentine hinunter, die zum größten Teil nur aus Schotter und Resten von einer alten Straße bestanden. Ich fand es echt Anstrengend, denn sobald man ein bisschen zuviel bremste, fing das Gespann an zu rutschen und steil war es auch noch...aber es hat trotzdem Hölle Spaß gemacht.

Dann kam wieder ein Tor und nach kurzer Zeit ein drittes und oh Wunder in einiger Entfernung war dann ein Hof zu sehen. Auf der Karte habe ich ihn unter "Kenknock" gerade entdeckt , aber nur bei riesiger Vergrößerung. Hinter dem dritten Tor erwarteten uns dann auch gleich zwei Highlandrinder, die uns friedlich anstarrten und sich nicht weiter um uns kümmerten und kauend von dannen zogen. Wir konnten nun wählen, geradeaus, rechts oder links...wir entschlossen uns für links. Wir fuhren an dem Hof vorbei und folgten der Straße und dem Fluß Lochay durch das wunderschöne Tal. Hier und da standen ein paar kleine Häuschen und wir kamen an Tullich, Dunroisk und Borland vorbei um dann kurz vor Killin wieder auf die A872 zu gelangen.Killin ist echt nett, als wir dort ankamen waren wir ein bisschen entsetzt, denn der Ort war unglaublich voll. Aber da uns schon kräftig der Magen knurrte und wir noch ne ganz schöne Strecke vor uns hatten, suchten wir uns einen Parkplatz und stiefelten erst einmal zu den Falls of Dochart...die echt der Knaller sind und gut besucht, denn überall auf den Felsen tummelten sich die Leute, die das prächtige Wetter ausnutzten und die Sonne anbeteten. Als es uns dann zu bunt wurde, suchten wir uns im The Old Smiddy ein nettes Plätzchen in der Sonne und genossen einen kleinen Snack und einen riesigen Pott Kaffee. Dann ging es wieder los...wir drohten ja mal wieder zu verhungern, also fuhren wir noch einmal zurück und parkten vor der Killin Musik Hall. Ich konnte es zwar nicht verstehen, aber nun ja...also ging es mal wieder in einen Lebensmittelladen zum einkaufen. Als dass dann endlich erledigt war, ging es dann wieder auf die A872 Richtung Loch Lochmond, doch zuerst mußten wir nocheinmal tanken, denn wir fuhren schon mit den letzten Tropfen. So kamen wir dann auf die A85 auch eine nette Strecke, am Loch lubhair vorbei und dem Loch Dorchart.Bei Crianlarich bogen wir dann auf die A82 ab um dann einen kurzen Blick auf die Falls of Falloch zu werfen...natürlich nur von der Straße aus. Ich hatte darum gebeten, am Drovers Inn noch einmal eine Kaffeepause zu machen, denn im Internet hatte ich schon eine ganze Menge darüber gelesen und ich wurde auch nicht enttäuscht, denn ich wußte ja, was mich dort erwartete.

Danach ging es dann geradewegs zum Loch Lochmond, wo wir in Luss zu der Campsite fuhren, die wir sozusagen als Notlösung ausgesucht hatten, obwohl der ursprünglich ausgesuchte Campingplatz fast um die Ecke war. Nun, was soll ich sagen, mein Bauchgefühl hatte mich nicht getäuscht, denn der Platz war echt viel zu teuer und lag direkt an der A82. Ich erwähne auch nicht seinen Namen, denn er ist wirklich nur grottig. Nachdem alles aufgebaut war, lief es wie immer ab, also war mal wieder das beste Spazieren zu gehen, was gar nicht so einfach war, denn man kam nicht wirklich weit und bis auf den See war es auch nicht wirklich schön. So endete ein grandioser Tag leider etwas deprimierend...um ehrlich zu sein war ich stinksauer, doch es liegt mir nicht, rumzustreiten...ich versuche immer das beste aus dem größten Mist zu machen. Also setzten wir uns Abends hin und suchten dann mal wieder eine neue Strecke raus, weil meine ja mal wieder nicht passte. Wir gingen alle früh ins Bett und versuchten bei dem Krach zu schlafen.

Leider hörte da schon fast der Urlaub auf, denn am nächsten Tag kamen wir nur bis Ayr, wo dann die Reise für mich und meinen Freund zu Ende war. Ich habe mein Herz an Schottland verloren und hoffe so bald wie möglich wieder einmal hinzufahren, ob nun mit dem Gespann oder dem Auto, völlig egal. Dann können wir uns alles anschauen, was wir auf dieser Reise nicht mal ansatzweise zu sehen bekamen. Aber trozallem, in Ayr verbrachten wir dann noch ein paar Tage, zwar nicht ganz freiwillig, aber es war trotzdem schön. Ary ist eine schöne Kleinstadt, die echt viel zu bieten hat, wenn man sich Zeit nimmt sie zu erkunden. Als kleine Tipps im Ayrshire and Galloway Hotel kann man ganz ausgezeichnet Essen und auch zu relativ günstigen Preisen wohnen, im Ary Central Shopping Centre gib es im Costa Coffee den allerbesten Kaffee, den es gibt und natürlich auch jede Menge Süßkram:-) auch die vielen netten kleinen Geschäfte haben eine Menge zu bieten und wenn man am Meer sitzt und sich unters Volk mischt, dann verfliegt schnell jede noch so schlechte Laune:-) Nun sind wir schon drei Monate wieder zuhause und es vergeht kein Tag an dem ich nicht an Schottland denke oder es vermisse. Das Land und die Leute haben mich einfach völlig in ihren Bann gezogen...im positiven Sinne;-) Es ist so einiges schief gegangen auf dieser Reise, was man besser im Vorfeld hätte klären sollen. Ich hätte mir nicht so viel Arbeit machen brauchen, das mit der Planung war für mich gut, denn ich konnte kurz winken, wenn wir mal wieder irgendwo vorbei fuhren, wo wir hätten hin laufen müßen...bescheuert, aber das hab ich echt getan. Eine gute Planung ist wichtig finde ich und bei uns hat es auch bestens geklappt. Wir hatten genug Klamotten mit und mussten nicht ein einziges Mal waschen auf der Tour...was ich auch total bescheuert finde, denn es kostet Zeit und Geld. Wir hatten eine komplette Küche sammt Geschirr und allem mit, genug Platz für unsere Zelte,Schlafsäcke und den ganzen andern Kram. Verhungern kann man in Schottland auch nicht, denn es gibt jede Menge Möglichkeiten Einzukaufen...und wenn ich euch einen Rat geben kann, dann kauft nicht nur in den typischen Supermarktkram, sondern geht auch in die kleinen Dorfläden, die freuen sich und man bekommt dort auch mal ausgefallenere Sachen. Man braucht nicht Tonnenweise Lebensmittel mitnehmen, denn die kann man vor Ort kaufen. Es reicht auch wenn man einmal in der Woche einkauft...und nicht jeden zweiten Tag. Die Schotten sind ein sehr uriges aber herzliches Völkchen, sie verzeihen einem auch wenn man nicht so mit dem Linksverkehr klar kommt und hupen nicht gleich wie blöde. Mit dem verstehen ist es nicht immer so einfach, aber es macht Spaß sich mit Händen und Füßen zu verständigen und es einfach zu genießen. Abschließen kann ich nur sagen...wir kommen wieder. Für mich war es unglaublich diese Landschaften zu sehen, die Wälder und die Highlands...viel schöner als ich es mir je hätte Träumen können. Wir haben auch gelernt besser auf unser Bauchgefühl zu hören und das wir uns auf uns verlassen können...was auch passiert. Mal sehen wo es die nächsten Jahre noch so hingeht:-)

©Rabenkrempel

 

© Rabenkrempel

Wo ist es hin...